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artefakte:knochenpakt

Der Knochenpakt

In den Schattenreichen erzählt man von einem Herrscher, dessen Reich vom Tod umzingelt war – durch Seuchen, Kriege und Hunger. Kein Gebet wurde erhört, kein Opfer brachte Erlösung.

In seiner Verzweiflung suchte der Herrscher nicht die Götter, sondern das, was jenseits von ihnen liegt.

In einer Nacht ohne Mond schloss er den Knochenpakt. Er bot seine Seele dar – nicht nach dem Tod, sondern sofort. Im Gegenzug erhielt er Macht über das Sterben selbst.

Die Toten erhoben sich auf seinen Befehl. Krankheit wich seinem Blick. Schlachtfelder wurden zu Armeen.

Doch mit der Macht verging der Mensch. Sein Fleisch verdorrte, seine Stimme wurde kalt, und sein Herz schlug nicht mehr.

So entstand der Knochenherr – ein Wesen zwischen Leben und Tod, Herrscher über Gebeine, aber ohne Erlösung.

Die Schattenreiche lehren:

  • Macht über den Tod fordert den Preis der Menschlichkeit.
  • Wer den Tod beherrscht, entkommt ihm nicht.
  • Ein Reich kann gerettet werden – doch um welchen Preis?

Bis heute heißt es, der Knochenherr wandle noch immer, gebunden an seinen Pakt, unfähig zu sterben, unfähig zu leben.


Chronik der Nachwirkungen des Knochenpakts

Der Knochenpakt endete nicht mit der Verwandlung des Herrschers. Er war kein einzelnes Ereignis, sondern ein Bruch in der Ordnung der Welt. Was folgte, veränderte die Schattenreiche dauerhaft.


Die Entstehung der Kulte

Nach dem Verschwinden des Herrschers bildeten sich erste Zirkel, die den Knochenherrn nicht als Mahnung, sondern als Erlöser verehrten.

Diese Kulte lehren:

  • Der Tod ist kein Ende, sondern ein Werkzeug.
  • Die Seele ist verhandelbar.
  • Ewige Herrschaft ist möglich.

Rituale beinhalten Knochenopfer, Namenslöschungen und Schwüre ohne Rückkehr. Viele Kultisten verschwinden spurlos – andere kehren verändert zurück.


Die Erhebung der Untoten

Mit dem Pakt wurde der Tod selbst verwundet.

In den betroffenen Regionen begannen Tote aufzustehen, nicht als willenlose Hüllen, sondern als Fragmente ihrer früheren Existenz.

  • Gefallene Soldaten bewachen alte Schlachtfelder.
  • Verstorbene Richter sprechen weiterhin Urteile.
  • Ahnen verweigern das Vergessen.

Diese Untoten sind nicht immer feindselig – doch sie sind gebunden, unfähig zu ruhen.


Die Erblande

Die Länder, in denen der Knochenpakt wirkte, veränderten sich.

Heute nennt man sie die Erblande.

Merkmale der Erblande:

  • Pflanzen wachsen bleich und knochenhart.
  • Tiere meiden das Gebiet oder werden aggressiv.
  • Der Boden ist kalt, selbst im Sommer.
  • Bestattungen schlagen fehl.

Reisende berichten, dass Zeit dort langsamer vergeht und Träume von vergangenen Leben heimsuchen.


Fortdauernde Bedrohung

Der Knochenherr selbst wurde nie endgültig vernichtet.

Chroniken vermerken:

  • Sichtungen einer gekrönten Gestalt aus Gebein.
  • Armeen, die ohne Banner marschieren.
  • Stimmen, die Namen der Lebenden kennen.

Ob der Pakt noch wirkt oder sich erneuert, ist unklar. Doch eines gilt als sicher:

Der Tod hat seitdem ein Gedächtnis.


Schlussvermerk

Die Chronik endet mit einer Warnung:

  • Pakte enden nie.
  • Macht über den Tod vererbt sich.
  • Was einmal gebrochen wurde, heilt nicht vollständig.

Die Prophezeiung vom Letzten Knochen

Diese Prophezeiung wurde in den Erblanden auf Knochenplatten geritzt und später in Klöstern der Schattenreiche abgeschrieben. Kein Text gleicht dem anderen vollständig.


Der Vers

„Wenn der Knochenherr seinen Namen vergisst
und kein Toter mehr antwortet,
dann naht das Ende.“
„Nicht durch Klinge,
nicht durch Feuer,
nicht durch Gebet
wird er fallen.“
„Drei müssen kommen,
die nichts mehr zu verlieren haben:
einer ohne Leben,
einer ohne Tod,
einer ohne Erinnerung.“

Die Zeichen

Die Prophezeiung nennt drei Vorzeichen:

  • Die Erblande beginnen zu blühen.
  • Untote verweigern den Befehl.
  • Der Knochenherr spricht mit menschlicher Stimme.

Erst wenn alle drei Zeichen zugleich erscheinen, kann der letzte Schritt erfolgen.


Der Letzte Akt

„Der Pakt endet nicht im Kampf,
sondern im Verzicht.“
„Der Knochenherr muss wählen:
Macht oder Name.
Herrschaft oder Seele.“
„Wählt er die Macht,
bleibt die Welt gebrochen.
Wählt er den Namen,
zerfällt er zu Staub.“

Randvermerk

Einige Abschriften enden mit einer letzten Zeile:

„Und wenn niemand kommt,
wird er ewig warten.“

Anmerkung der Chronisten

Die Tempel der Schattenreiche verbieten jede Auslegung dieser Prophezeiung. Denn sie deutet an, dass der Knochenherr nicht besiegt, sondern erlöst werden könnte.

Und Erlösung ist gefährlicher als Vernichtung.

artefakte/knochenpakt.txt · Last modified: by milanee