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Der Hammerfall
In den tiefen Hallen von Kugramär, als die Clans einander näher am Krieg standen als je zuvor, versammelten sich die Ältesten vor dem Unspaltbaren Berg. Worte waren gesprochen worden, Verträge gebrochen, und selbst Blut war bereits geflossen.
Da trat ein einzelner Clanältester vor. Sein Name ist in den Chroniken umstritten, doch sein Handeln ist unvergessen.
Er hob seinen Hammer nicht gegen einen Feind, sondern gegen den Berg selbst.
Mit einem einzigen Schlag ließ er den Fels bersten. Nicht in Zorn, sondern mit Maß. Der Berg spaltete sich – nicht zerstört, sondern geöffnet – und offenbarte einen neuen Durchgang zwischen den verfeindeten Hallen.
Der Älteste sprach:
„So wie dieser Berg,
so sind auch wir hart.
Doch selbst Stein kann geteilt werden,
ohne zu zerbrechen.“
Der Anblick des gespaltenen Berges beendete den Streit. Denn die Zwerge erkannten: Was selbst der Fels zulässt, darf kein Clan verweigern.
Seitdem gilt der Hammerfall als höchstes Symbol zwergischer Diplomatie. Nicht als Zeichen von Gewalt, sondern als Beweis, dass Stärke auch im Nachgeben liegt.
In Kugramär lehrt man:
- Wer zuerst schlägt, muss nicht treffen.
- Ein offener Weg ist wertvoller als ein gewonnener Kampf.
- Frieden, der aus Stärke geboren wird, hält länger als jeder Sieg.
Chronik der Clans des Hammerfalls
Die folgenden Einträge stammen aus den Steinannalen Kugramärs und gelten als verbindliche Überlieferung der Ereignisse rund um den Hammerfall.
Der Clan Grondrik
Der Clan Grondrik war zur Zeit des Hammerfalls der größte Erzförderer Kugramärs. Seine Hallen lagen tief und reich, doch sein Einfluss wuchs schneller als sein Maß.
Grondrik forderte neue Stollen durch fremdes Gestein und beanspruchte alte Grenzadern für sich. Viele sahen darin den Beginn des Zwergenstreits.
Die Chronik vermerkt:
- Grondrik handelte aus Stärke.
- Doch Stärke ohne Rücksicht spaltet schneller als jeder Hammer.
Der Clan Tharbek
Der Clan Tharbek bewachte die alten Durchgänge und Ahnenpfade. Für sie war der Berg kein Besitz, sondern Erbe.
Als Grondrik neue Stollen plante, verschloss Tharbek die Übergänge und rief zu den Waffen. Erste Blutlinien wurden gezogen.
Die Annalen urteilen:
- Tharbek verteidigte das Alte.
- Doch Stillstand kann ebenso zerstören wie Gier.
Der Clan Kharum
Kharum stellte die meisten Schmiede und Steinrichter. Sie versuchten zu vermitteln, doch ihre Worte verhallten zwischen Erz und Zorn.
Erst als der Hammerfall geschah, erkannten sie die Bedeutung des Schlages.
Seitdem gilt Kharum als Hüter der Diplomatie und Bewahrer der Hammerfall‑Lehre.
Der Clanälteste
Der Name des Clanältesten, der den Hammerfall vollzog, wurde bewusst aus den Annalen getilgt.
Die Chronik erklärt:
- Der Akt war größer als der Handelnde.
- Ruhm hätte den Sinn verzerrt.
Bekannt ist nur, dass er keinem der streitenden Clans angehörte, sondern als neutraler Steinrichter berufen war.
Nachwirkung
Nach dem Hammerfall wurden neue Durchgänge geschaffen, Grenzen neu gezogen und ein Rat der Clans gegründet.
Seitdem gilt in Kugramär:
- Kein Streit ohne offenen Weg.
- Kein Hammer ohne Verantwortung.
- Kein Frieden ohne Opfer des Stolzes.
Die Verfälschung des Hammerfalls
In den letzten Generationen hat sich in Teilen Kugramärs eine vereinfachte und gefährliche Deutung des Hammerfalls verbreitet.
Diese moderne Fehlinterpretation stellt den Hammerfall nicht mehr als Akt der Diplomatie dar, sondern als Rechtfertigung für Gewalt.
Der Kriegsmythos
Anhänger dieser Sichtweise lehren:
- Der Hammerfall sei ein Beweis zwergischer Überlegenheit.
- Der Schlag gegen den Berg werde als Drohgebärde verstanden.
- Frieden sei nur durch demonstrierte Zerstörung möglich.
In Liedern und Reden wird der Clanälteste als Krieger verklärt, der den Berg „unterwarf“, statt ihn zu öffnen.
Politische Instrumentalisierung
Diese Deutung wird häufig von jungen Clans oder ehrgeizigen Anführern genutzt, um harte Maßnahmen zu rechtfertigen.
Typische Aussagen lauten:
- „Wer Frieden will, muss zuerst zuschlagen.“
- „Der Hammerfall zeigt, dass Stärke entscheidet.“
- „Diplomatie ist nur ein anderes Wort für Drohung.“
Dabei wird verschwiegen, dass der ursprüngliche Hammerfall keinen Feind traf.
Reaktion der Steinrichter
Die Steinrichter Kugramärs verurteilen diese Auslegung scharf.
In den Annalen heißt es:
- Der Hammerfall war kein Angriff.
- Der Berg war kein Gegner.
- Der Schlag war ein Angebot.
Clans, die den Hammerfall als Kriegsmythos lehren, verlieren häufig Ansehen im Rat und gelten als unzuverlässige Verhandlungspartner.
Warnung
Die Chronik schließt mit einer Mahnung:
- Wer den Hammerfall missversteht,
wird wieder Berge errichten,
wo einst Wege waren.
Denn ein Hammer, der nur zerstören soll, schafft keinen Frieden – er verzögert ihn nur.
